[Python-de] iX auf Anti-Python-Kurs?

Dinu Gherman gherman at darwin.in-berlin.de
Mon Okt 20 12:01:42 CEST 2003


Georg Mischler:

> Jede vernuenftige Zeitschrift hat ein Interesse daran, einen
> moeglichst breiten Querschnitt aus den eingesandten Leserbriefen
> abzudrucken, insbesondere derjeniger, welche *nicht* die Meinung
> der Redaktion wiederspiegeln.
>
> Was du offenbar erwartest, ist eine Zensur durch die IX-Redaktion
> bei Leserbriefen, welche nicht *deine* Meinung wiederspiegeln.
> Wer ist da nun borniert?
>
> Die Tatsache, dass gerade auch ein solcher Leserbrief abgedruckt
> wird, wuerde ich eher als Qualitaetsmerkmal der Zeitschrift
> werten, und nicht als Grund fuer eine Abo-Kuendigung (wenn ich
> sie denn abonniert haette).
>
> Damit hat naemlich der intelligente Leser die Moeglichkeit, sich
> selber ein Bild davon zu machen, was andere Menschen so denken.
> Und fuer die meisten dieser intelligenten Leser ist ja auch ohne
> Kenntnis der Hintergruende leicht auf Anhieb zu erkennen, dass
> der zitierte Text nicht fuer bare Muenze genommen werden darf. Es
> besteht also wenig Gefahr, dass der Verbreitung von Python damit
> grosser Schaden zugefuegt wird.

Bin ich schon im Kabarett und der Riechling macht gerade den Schorsch?
;-) Oder stimmt das so: Du verlangst von mir, 1) eine Zeitschrift
zu kaufen, die - selten genug - einen Artikel zu einem bestimmten
Thema bringt, der 2) kaum geeignet ist, Werbung fuer den behandelten
Gegenstand zu machen, dann 3) dass ich mich nicht wundern soll, wenn
andere Leser ihn genau so missverstehen, wie zu befuerchten war,
4) dass die Redaktion das fuer alle anderen wie zur Bestaetigung
deutlich sichtbar dokumentiert und schliesslich 5) dass ich diese
Form von Ausgewogenheit als Qualitaetsmerkmal interpretiere? Viel-
leicht auch noch, dass das ein Ausrutscher ist, und es bei allen an-
deren Themen ganz anders laeuft? Do legts mi nidda! ;-)

Vielleicht sind manche Leser intelligent, aber gerade jene, die nicht
im Thema "drin" sind, bekommen durch diese Kombination von Artikel
und Leserbrief den Eindruck "gut, dass ich mich nie damit beschaeftigt
habe", wie ein iX-Redakteur, der leider nicht genannt werden moechte.
Publiziert in einem Magazin fuer "professionelle Informationstechnik"
hat das meines Erachtens leider sehr wohl das Potential, der Verbrei-
tung von Python zu schaden.

Dies bewusst oder unbewusst zu unterstuetzen, ist was ich der iX an-
laste, nicht, dass jemand seine sehr persoenliche, wenn auch qualifi-
zierte Meinung zu Python in Artikelform schreibt oder seinen ebenso
persoenlichen unqualifizierten Leserbrief dazu. Das laesst sich nicht
verhindern, aber an das selbstverliehene Attribut "professionell"
kann ich die Redaktion mit einer Abo-Kuendigung sehr wohl erinnern.

Freilich, wenn die Aufgabe von solchen Magazinen neuerdings weniger
in der Praesentation von Technologien und ihren Nutzungsmoeglichkei-
ten liegt, sondern mehr in der Durchfuehrung von Ratespielen und In-
telligenztests mit ihren Lesern, dann ist eine Abo-Kuendigung auch
nicht verkehrt.

Gruss,

Dinu

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Dinu C. Gherman
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"The making of a journalist: no ideas and the ability to express
them." (Karl Kraus)