[Python-de] ct Artikel (war: Minimal Python)

Dinu Gherman gherman at darwin.in-berlin.de
Fri Jan 24 09:53:08 EST 2003


Dirk Lannatewitz:

> Hallo,
> habe lange mit mir gerungen, hier mich mit in die einzumischen

Gut so!

> Jedes, wozu es da ist. ST wird bei uns an der HS unterrichtet, da man
> dem abhelfen will, was immer wieder in der C++ Ausbildung vorkommt. Die
> Leute (Studenten)haben früher Ihre Programme vor dem Studium (jaja,
> Ausnahmen bestätigen die Regel) in feinster prozedurale c Manier
> geschrieben,
> Typen festgelegt, .... Kann man doch in C++ auch so machen. Wozu 
> Klassen,
> wozu Methoden, ging doch früher auch ohne.
> In Smalltalk geht das nicht. Man muss eben OOP-Stil verfolgen. [...]
> Bei aller Loberei für Smalltalk, ich mag die Schlange lieber. Aber wie 
> oben
> gesagt, jedes wo es hingehört.

Ich behaupte mal ketzerisch, bei Python weiss man nicht so genau,
wozu es da ist, eben weil es doch sehr universell einsetzbar ist.
Vermutlich ist genau das auch ein Teil des Problems.

> Als ich über Python stolperte und meinen Programmierungsprof gefragt 
> habe ob
> er da was dazu empfehlen könnte, war die Antwort: "Python, was ist 
> das?" und
> der meinte das ernst.

Wieso auch nicht? Aus akademischer Sicht muss Python sehr unbefrie-
digend erscheinen, wenn man es denn doch kennt: keine Datenkapsel-
ung, eine nicht allzu konsistente Objektorientierung, die Dualitaet
von Typen und Klasssen, fehlende Basistypen wie Bool, Nebeneinander
verschiedener Programmierparadigmen, fehlende Interfaces, etc.

Klar, einiges davon wurde in letzter Zeit "gepatched", aber eben
10 Jahre nach der Geburt! Gepaart mit einer unheimlichen Featuritis
hat man heute oftmals alles andere als die frueher fuer so wichtig
gehaltene "Orthogonalitaet".

Dazu kommt, dass man einige Spracheigenschaften von Python nur mit
Wissen der Interpreterimplementierung (nachvollziehbar) erklaeren
kann, was besonders dann schlimm ist, wenn mehrere Versionen wie
gerade jetzt aktuell nebeneinander existieren.

Und schliesslich koennte die Standardbibliothek auch einen Schuss
mehr Konsistenz in Punkto APIs vertragen, aber da bin ich wohl be-
sonders empfindlich, wie auch immer.

All das schmaelert meine Begeisterung fuer Python nur marginal, und
ich bin sicher, die Perl- und Tcl-Konkurrenz steht nicht besser da,
aber es bleibt noch einiges zu tun, um die theoretischen Grundlagen
fuer ein akademisches Schlangenfieber zu legen.

> [...] Das nenn ich "...Eingriffe am "offenen Herzen" ...".

Genau so war's gemeint! ;-)

Dinu

--
Dinu C. Gherman
......................................................................
"La perfection est atteinte, non pas lorsqu'il n'y a plus rien
à ajouter, mais lorsqu'il n'y a plus rien à retirer."
(Antoine de Saint-Exupéry)





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