[Python-de] Sprachkanon

Klaus-Juergen Wolf kjwolf at online.de
Mon Jun 21 05:53:42 EDT 1999


Hallo,

ich wollte bloß mal so was fragen, weil mir die Frage gerade für mich
persönlich aktuell vorkam; und auf Töitsch kann ich mich einfach doch
noch etwas besser ausdrücken.

Wie sieht das eigentlich mit dem Kanon der Sprache Python aus?

Ich kenne das ja traditionell so, daß alte Vereinbarungen
möglicherweise langsam beseite gelegt werden und neue danebenherwachsen
sollen. Umbrüche sind ja eher peinlich und geben wenig Anlaß zu Freude,
wenngleich, weil ich gerade mich damit beschäftige, wie sieht das mit
so etwas wie Curses aus?

Curses, ein uraltes Ding, ur-uralt nach Unix-Maßstäben, und das ist ja
nun auch nicht funkelnagelneu. Und weil AT&T das so nicht gut fand,
gab's ein NCurses, das ganz anders funktionierte, aber die gleiche
Funktionalität bot. Dann bastelte sich Curses etwas auf NCurses zu,
NCurses aber wuchs sich aus und wurde immer größer. Schließlich wurde
NCurses von den Freeware-Leuten (diversen) aufgegriffen und noch
weiterentwickelt, Curses starb ab, schließlich malträtierten bestimmte
Leute NCurses so weit, daß es wieder so ähnlich wie Curses
funktionierte (auf Termcap-Basis), aber noch NCurses (codemäßig) war,
diese Variante blieb aber gegenüber dem Haupt-NCurses-Ast völlig
zurück.

Fazit: nun hat man unzählige Versionen ein und derselben Zielsetzung.
Ein paar Buchstaben auf den Bildschirm malen, wie auch immer.

Frage: soll man der jeweils neuesten Version hinterherrennen, oder
sollte man lieber das (schon recht verunglückte Basiskonzept, was
bisher in Python implementiert ist) weiterführen - allerdings:
weiterführen, wohin?

Wo kann man einen Standard sehen? Was ist zuviel verlangt? Wenn es bei
4% nicht mehr läuft, bei 10%, bei 30%? Wie kann ich das messen, bei
einem Modul, das offensichtlich ohnehin kaum jemand benutzt? Dabei ist
doch selbst cursesmodule schon mehr NCurses- als Curses-basiert, d.h.
eine Grundanzahl von Leuten kann es ohne Aufwand bestimmt nicht mehr
nutzen.

Sollte ein sich veränderndes Modul besser nicht-kanonisch bleiben,
sprich: niemals in die Python-Distribution aufgenommen werden, oder
gibt es dafür Maßstäbe?

Irgendwo sind ja viele "kanonische" Module schon derzeit Kompromisse,
nur ich bekomme das so schlecht zu fassen. Ist es pure Willkür?

Bei Macs und winDOSen kann man irgendwann sagen, "Mensch, du benutzt
noch ein doedel-Betriebssystem 4.0? Peinlich, warum holtst du dir nicht
das neueste doedel 16.8?" Aber bei den Unixen wächst so etwas doch mehr
durch die Hintertür. Einige Plattformen kennen überhaupt nichts, was
irgendwie im entferntesten als modern bezeichnet werden könnte, obwohl
alle sechs Monate der Mann vom Wartungsdienst vorbeikommt und
irgendetwas neues aufleiert.

Wie soll man das betrachten? Haben Unixe in Wirklichkeit keine Zukunft?

cu
 k.j.




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