[python-de] Und wohin damit?

Klaus-J. Wolf yanestra at okay.net
Thu Dec 17 14:36:11 EST 1998


Status: RO

Hallo,

vielen Dank für Dein Schreiben.

 > > (Es ist jedesmal ein Heidenaufwand, alles zu übersetzen - die
 > > männlichen Benutzer kommen mit dem Ergebnis leider kaum zurande.)
 > 
 > Jaja, als Gott den Mann schuf, scherzte sie nur.
 > Was man daran sehen kann, daß nur Männer in der Lage sind,
 > sowas auch noch auf Software anzuwenden. 
 > Meine unmaßgebliche Meinung sei mir nachgesehen :c)

Das ist so nicht ganz richtig. Angestiftet dazu hat mich vor Jahren Angela
Ennis, als sie noch für IBM arbeitete. Sie hat das sehr schön und sehr
stringent durchgehalten, auch als sie deswegen Druck bekam. In der Tat
ist gerade im Englischen bei dem geschlechtsneutralen Wort "User" "he"
als Pronomen eher unerklärlich. (Bei "Luser" wäre es aber freilich
zwingend... .-)

 > > Ich hab' mal reingeschaut. Ich mußte feststellen, daß meine Mühe und
 > > meine Freigiebigkeit bei "Python Software Activity" mich nur
 > > lächerliche US-$ 50 im Jahr kostet. Mein Gott, DIREKT geschenkt! Und
 > > ich kann sogar mit Kreditkarte bezahlen! Gute Güte!
 > 
 > Interessanter Standpunkt.
 > Ich will ja nicht angeben, aber mache ich was falsch?
 > Stecke Arbeit in das Starship, stifte auch noch den
 > Rechner, zahle PSA-Beitrag, mache diese Liste (mit F. Dominikus),
 > berate Leute in Python-Help und kriege keinen roten Heller
 > dafür.

Ich weiß auch nicht. Warst Du denn damit schon in Behandlung? <,-}

Scherrz beisaite: Ich habe dazu verschiedene Auffassungen. Erstensmal
denke ich generell, wenn man ein Grüppchen elitär halten will, so ist
eine abzuführende Geldmenge (wenn vorhanden) sicher eine der
Möglichkeiten. Es ist sicherlich ärgerlich, wenn Krethi, Plethi,
Schniff und Schnuff sich alle auf eine Mailingliste stürzen und dort
dumm rumblöken, weil sie eh nichts anderes zu tun haben; und wenn man
sie dazu bringt, vorher fürs Rumblöken Eintrittsgeld zu bezahlen,
werden die sich das sicher zweimal überlegen.

Ich persönlich kann diesem Geldgehupfel aber wenig abgewinnen.

Wie gesagt, wenn es zur Finanzierung von etwas herhalten soll, würde
ich schon erwarten, daß man mir sagt, was denn damit finanziert werden
soll. Wenn damit nichts finanziert werden soll, und es ist bloß Hürde
oder soll zum Erwerb einer neuen Goldenen Nase dienen, sehe ich das
nicht ein.

IBM macht es so, M$ macht es so, wenn das jetzt auch noch im Bereich
der freien Software einzug hält, kann ich nur sagen: nacht Mattes.

Es blockiert irgendwo auch genau die kreativen Kräfte, über deren
Anwesenheit man doch froh sein sollte. Die meisten Leute tippen nicht
Tag für Tag an ihrer Software herum - sie schreiben mal ein geniales
Häppelchen, und dann liegt das Zeug für ein halbes Jahr erstmal herum.
Indem man versucht, diese Leute zu zwingen, Mitglied in einer
gebührenpflichtigen Gemeinschaft zu werden, deren Dienste sie im
Endeffekt vielleicht gar niemals in anspruch nehmen, hält man
diejenigen gewißlich außen vor.

Daß Du diese Last auf Dich nimmst, ist Deine Angelegenheit, niemand
aber hindert Dich, z.B. bei mir mit dem Sammelbeutel herumzugehen,
falls Dir das Geld ausgeht. Es ist genauso meine Angelegenheit, wenn
ich Plattenplatz und Domain anbiete, wie ich es getan habe.

Ich persönlich weigere mich aber strikt, einen Wasserkopf zu
finanzieren, von dem ich nichts habe.

 > Ich finde, Du solltest darüber etwas länger nachdenken.
 > Frage Dich selbst, warum Du Sourcen herausgeben willst.

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, und im Endeffekt kam ich zu dem
Schluß, daß die Weltgemeinschaft aller Python-Benutzer sehr gut, wenn
nicht besser ohne meine Werke leben kann. Ich selbst erspare mir damit:
1. Zeit, die Doku zu schreiben, 2. Zeit, die Module auslieferungsfertig
zu machen, 3. Zeit, die beim Beantworten sinnloser Fragen draufgeht, 4.
Zeit, scheinbare oder tatsächliche Bugs herauszumachen, 5. Zeit,
gewünschte Features zu implementieren, 6. $50 p.a. Ein Riesengewinn für
mich, eigentlich für alle, denn Euch bleibt es umgekehrt erspart, meine
Software zu holen, auszuprobieren, als schlecht zu befinden und dann
Dutzende von Picopfennigen in EMails an mich zu investieren, die dann
vielleicht auch noch beantwortet werden (nochmal ein paar Picopfennig
weg). Die PSA-Leute können froh sein, weil ich so nicht ihre Bugs
rausmache, und sie ihr Gesicht wahren können. Und alle Perl-Adoranten
können froh sein, weil es nun einen Grund weniger gibt, sich von der
Gottheit der Sprachen (Perl) abzuwenden.

Wir haben alle gewonnen dabei.

 > Was genau willst Du zurück haben?
 > Wirklich garnichts, absoluter Jedi-Ritter?

Bisher habe ich noch nie was zurückbekommen. Muß wohl eine
Reflexhandlung sein, dieses Herausgeben von Software.

 > Dann kannst Du aber auch PSA werden, denn die Dinge
 > sind ja vollkommen unabhängig voneinander.

Genau. Oder ich werde nebenberuflich Mäusemelker im Göttinger
Kleintierzuchtlabor, denn das hat ja auch nichts damit zu tun. Hat aber
freilich den Vorteil, daß ich Geld dafür bekomme.

Mit anderen Worten: ich konnte Dir argumentativ nicht ganz folgen.

 > Oder bleibt ein komisches Gefühl?
 > Kenne ich, hatte ich auch.

Vor allem beschleicht mich das komische Gefühl, das Du mir was
unterzuschieben versuchst, was ich auch nicht haben will.

 > Sei ehrlich zu Dir selbst.

Stöhn. Was willst Du von mir? Ich will meine Software irgendwo abkippen
und dann Schulz, und Deiner Einer macht einen mittleren Staatsakt
daraus.

Entschuldige, welch *absurdes* Ansinnen. Ich sollte froh sein, daß ich
nicht allein DM 82,50 bezahlen muß, um hier schreiben zu dürfen!

 > Was hab ich mir wohl überlegt, als ich diese 
 > dämliche "muß PSA sein"-Regel erfunden habe?

Das frage ich mich ehrlich gesagt auch.

 > Bin selber nicht ganz sicher, aber es hat ins Schwarze getroffen.

Was ist dadurch besser geworden?

cu
 jay



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